
Einleitung
Ich trete auf die Straße und nehme den ersten, tiefen Atemzug seit gestern Abend. Erst jetzt merke ich, wie flach ich die ganze Zeit über geatmet habe und wie angespannt meine Schultern sind. Doch bevor ich es genauer wahrnehmen kann, dreht mein Kopf auf.
Was hätte ich anders sagen können? Habe ich zu viel gesprochen? Was denkt mein zukünftiger Chef jetzt von mir? Habe ich zu viel gefragt oder zu wenig? Was meinte er damit, ich müsse noch einiges lernen, doch er freue sich auf die Zusammenarbeit?
Und vielleicht kennst du das auch.
Ein aufwühlendes Ereignis fand statt und dein Kopf reißt das Ruder an sich, um jedes einzelne Detail auseinanderzunehmen und zu bewerten. Es ist ein Versuch, Sicherheit herzustellen. Wir wollen uns durch Analyse absichern, dass wir alles richtig gemacht haben und dass keine schlimmen Konsequenzen folgen werden. Der Kopf versucht so die Situation zu verarbeiten, aber der Körper bekommt dabei keine Aufmerksamkeit.
Die Situation ist vorbei, doch unser Körper befindet sich noch mitten drin.
Wir können ihn herausholen. Wir können uns wieder verbunden mit uns und anderen Menschen fühlen, die Situation hinter uns lassen und befreit durch den restlichen Tag gehen.
Wie? Durch Körperwahrnehmung.

Was Körperwahrnehmung ist
Indem wir bewusst in unseren Körper hineinhorchen und wahrnehmen, was ist. Indem wir spüren, was da ist und den Empfindungen Raum und Aufmerksamkeit schenken.
Körperwahrnehmung ist nichts Kompliziertes und du musst dir dafür auch nicht direkt eine Stunde Zeit nehmen. Vielmehr sind die kleinen Momente – der tiefe Atemzug in den Bauch, das Lockern der Schultern, das Hineinspüren in den Rücken, der gerade viel trägt – die wirklich wirkungsvollen.
Und dann geht es darum, bei diesen Empfindungen zu verweilen, ohne sie verändern zu wollen.
Wie oft wollen wir einen Schmerz weghaben? Wie oft wollen wir einen Druck nicht da haben, um uns endlich wieder leicht zu fühlen? Wie oft wollen wir nicht krank sein, um weitermachen zu können wie immer – so, wie es von uns verlangt wird?
Und so verlangen wir von unserem Körper, durchzuhalten. Für eine Weile mag das in Ordnung sein, aber nicht, wenn dieses Durchhalten zum Rhythmus des Lebens wird.
Körperwahrnehmung und Annahme können diesen Rhythmus verändern.
Wie funktioniert Körperwahrnehmung?
Du stehst an der Kasse in der Warteschlange und spürst wie dein Atmen tief in deinen Bauch fließt.
Du spazierst durch den Wald und spürst deine steifen Glieder nach einem anstrengenden Arbeitstag.
Du setzt dich in die Stille und erlaubst dir, einen stillen Ort in dir zu spüren.
Du umarmst deine*n Partner*in und lässt dich tiefer in die Umarmung hineinsinken, lässt los, bist voll und ganz bei dieser Umarmung dabei.
Körperwahrnehmung ist kein Hexenwerk und wir alle sind dem fähig – ganz von Natur aus. Wir haben es bloß verlernt. Weil uns irgendwann in unserer Kindheit beigebracht wurde, wir sollen unseren Kopf anstellen. Wir sollen möglichst viel wissen, viel verstehen und rationale Entscheidungen treffen. Wir sollen uns in das Gesellschaftssystem einfügen und das geht besser, wenn die eigenen Körperimpulse unterdrückt werden.
So ist es heute für viele von uns zur Gewohnheit geworden, den Gedanken mehr Raum zu geben als den Empfindungen. Doch wie schön ist es, dass wir neue Gewohnheiten etablieren können, oder?

Ich habe eine Podcastfolge zur Körperwahrnehmung für dich aufgenommen, die dich mittels einer Meditation in deine Innenwelt und in die Selbstverbundenheit führt. Durch einen darauffolgenden Schreibimpuls kannst du deine Wahrnehmung notieren, vertiefen und integrieren.
Hier kannst du sie dir anhören:
