,,Spring einfach!“ Doch was, wenn dein Körper verweigert?

Einleitung

Kennst du diese Momente, in denen du dir bewusst wirst, dass es so einfach nicht weitergehen kann? Du bist diesem inneren Wissen lange aus dem Weg gegangen, hast dich mit Netflix, Instagram oder Arbeit abgelenkt. Aber jetzt gibt es kein Ausweichen mehr. Vielleicht versuchst du es noch ein paar Mal, doch die Wirkung bleibt aus. Dein Blick fällt doch immer wieder auf das, was du dir endlich anschauen musst.

Du weißt, dass du nicht bleiben kannst. Du weißt, dass du etwas verändern musst. Vielleicht weißt du sogar bereits, was. Und doch bewegst du dich nicht. Du fühlst dich wie gelähmt. Denn was dir fehlt, ist das Wie.

Warum wir festhalten, was uns nicht gut tut

Vielleicht hast du dich auch schon öfter gefragt, warum du an etwas festhältst, was dich nicht glücklich macht. Warum du ein Leben lebst, das dich nicht erfüllt. Warum du dich auf bestimmte Art und Weise verhältst, wobei dir dieses Verhalten sogar selbst schadet.

Ich möchte dir mal eine mögliche Einordnung geben.

Oft denken wir, wir verändern nichts, weil wir zu unfähig sind oder es nicht stark genug wollen. Wir meinen, einfach noch mutiger sein zu müssen und genauso radikal unserer Intuition zu folgen, wie es all diese Menschen bei Instagram tun.

Doch es ist weder unsere Unfähigkeit, noch unser mangelnder Wille, der uns ausbremst. Es ist unser Gehirn, das am Alten festhalten will, weil es nun einmal bekannt ist. Es bewertet Situationen und Vorhaben nicht dahingehend, wie viel Freude und Glückseligkeit es dir bereitet, sondern wie vorhersehbar und sicher es ist. Es stellt sich also nicht die Frage: „Macht mich das glücklich?“, sondern es fragt: „Ist das bekannt?“ „Habe ich gelernt, darin zu überleben?“

Dein Gehirn und Nervensystem arbeiten ständig zusammen, um einzuschätzen, ob etwas sicher oder potenziell gefährlich ist. Dein Schutz und dein Überleben stehen für sie also an erster Stelle – nicht dein Glück oder deine Freiheit.

Jedoch ist es nun einmal so, dass jede Veränderung erst einmal Unsicherheit bedeutet. Das Gehirn kann nicht berechnen, was passiert, denn es kennt die neue Situation ja noch nicht. Und genau dadurch passiert im Nervensystem vieler Menschen Aktivierung. Manchmal ist sie so stark, dass sie bloße Überforderung auslöst und diese Menschen ihren alten Mustern treu bleiben – nicht, weil sie es unbedingt wollen, sondern weil sie das Gefühl haben, einfach nicht anders zu können.

Das bedeutet nicht, dass die Veränderung falsch wäre und sie zu groß für sie, ihre Fähigkeiten und ihren Körper wären. Es bedeutet nicht, dass die Angst Recht hat. Ihr Nervensystem hat die mögliche neue Erfahrung einfach noch nicht als sicher abgespeichert – eben weil es sie noch nicht erlebt hat.

Und genau hier entsteht oft ein innerer Konflikt:
Ein Teil von uns möchte loslassen. Ein anderer Teil jedoch versucht verzweifelt, die Kontrolle zu behalten.

Kontrolle ist keine Sicherheit, es ist die angezogene Handbremse in deinem Leben.

Kontrolle ist häufig der Versuch des Nervensystems, Unsicherheit zu vermeiden. Wenn ich alles im Griff habe, kann nichts Überraschendes passieren. Wenn ich genug nachdenke und analysiere, muss ich den Sprung vielleicht nicht wirklich fühlen. Auch Gefühle verstehen zu wollen – sie also zu rationalisieren – ist eine Art von Kontrolle.

Doch Kontrolle gibt uns nur selten das, wonach wir uns eigentlich sehnen – nach Sicherheit und Selbstvertrauen. Denn Kontrolle ist immer nur eine scheinbare Sicherheit.

Und manchmal wird genau das zur Bremse in unserem Leben.

Wie könnte dieses Springen, das im Einklang mit deinem Körper ist, aussehen?

Jeder Mensch kann in die Veränderung gehen. Jeder von uns kann das Alte loslassen und ins Neue springen. Die Frage ist also nicht, ob du es kannst, sondern wie du es machst.

Du musst nicht heute losgehen und morgen schon angekommen sein. Du musst nicht heute diese eine Entscheidung treffen und von da an keinen Zweifel mehr zulassen. Vor allem aber musst du nicht deinen Körper davon überzeugen, dass es der richtige Weg ist, du darfst es ihn spüren lassen. Und das braucht Selbstmitgefühl, Geduld, Zeit, Langsamkeit und Wiederholung.

Denn wer dich überhaupt erst springen lassen kann, ist dein Körper. Du darfst ihn also liebevoll auf diesen Sprung vorbereiten. Du darfst ihm – und dir – sein eigenes Tempo zugestehen. Dein Nervensystem muss die Erfahrung machen, dass diese Veränderung zwar neu, aber nicht gefährlich ist. Und dein Körper muss spüren, dass da genügend innere Kapazität ist, um auch Schwierigkeiten standhalten zu können. Denn sind wir mal ehrlich, jeder neue Weg hat seine Hürden. Die Frage ist also nicht, ob da Schwierigkeiten sind, sondern wie sicher wir uns hindurchnavigieren. Genau da können innere sowie äußere Anker helfen.

Schreiben als Anker

Über deine innere Welt zu schreiben und sie ein leeres Blatt Papier gestalten zu lassen, kann dir Halt geben. Es kann dich näher zu dir selbst führen und dir ermöglichen, alles aus etwas Abstand zu betrachten, wodurch es sich nicht so überwältigend anfühlt.

Schreiben kann Ungeahntes aufs Papier bringen und du kannst lernen, dass es zwar dort steht, aber dir nichts anhaben kann.

Schreiben führt dich in die Ehrlichkeit und Ehrlichkeit bringt uns ins Gefühl und Gefühle zu fühlen, sie wirklich durch uns hindurchfließen zu lassen, erweitert die Kapazität unseres Nervensystems. So kann das Schreiben der erste Versuch sein, die erste Annäherung an diese Veränderung. Und wenn wir es beständig tun und für uns nutzen, kann es uns ein Anker werden.

Der Sprung muss also nicht mit einer Handlung im Außen beginnen, sondern mit Ehrlichkeit auf dem Papier.

Und ja, sehr wahrscheinlich ist ein Teil von dir längst bereit für den Sprung. Doch dein Körper braucht Vorbereitungszeit und die darfst du ihm zugestehen – ob schreibend oder auf anderer Art und Weise.

Deine Mira

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