Wir alle haben Träume. Wir alle wollen sie verwirklichen und sind mal mehr, mal weniger intensiv dabei, ihnen zu folgen. Manche Träume brauchen mehr Zeit, manche lassen sich leichter erfüllen. Und vielleicht dürfen manche Träume auch für immer Träume bleiben und als warmes Ziehen in unserem Herzen existieren.
Doch was, wenn du endlich die Chance hast, deinen Traum zu leben? Natürlich ergreifst du diese Chance – das ist doch ganz logisch. Doch was, wenn sich das Leben dieses Traumes – wider all der Logik – total schrecklich anfühlt? Wenn dein Körper dich nicht darin unterstützt, deine Herzenswünsche zu verkörpern?
In diesem Artikel geht es genau darum und dazu möchte ich dich ein bisschen in meine Geschichte mitnehmen.
Bei allem, was sich groß anfühlt,
Mira Witte
darfst du spüren, dass du
größer bist.
Ich saß am Strand auf Koh Phangan in Thailand. Meine nackten Füße steckten im warmen Sand, meine Haut wurde von der Sonne vergoldet und meine Lungen atmeten frische Meeresluft. Ich war wortwörtlich im Paradies.
Mein Atem ging flach, meine Zähne waren fest aufeinander gepresst, mein Bauch fuhr Achterbahn und in meinen Ohren rauschte es. In mir war das pure Chaos.
Ich war gerade dabei, meinen Traum zu leben – mehrere Monate durch Asien zu reisen. Tief in mir wusste ich auch, dass es die richtige Entscheidung war, dass das hier noch immer mein Traum war, aber mein Körper war da wohl anderer Meinung.
Ich war aus einem instabilen inneren Zustand heraus zu dieser Reise aufgebrochen und das zeigte sich jetzt. Schon vor der Reise holten mich alte Beziehungsthemen ein und zudem hatte ich für die Reise noch meine Wohnung aufgegeben und war zurück zu meiner Mutter und ihrem Mann gezogen. Ich verbrachte also zwei Monate, bevor ich losflog, in meinem alten Kinderzimmer – an einem Ort, der alte Erinnerungen wachrief, die ich lange nicht mehr gespürt hatte.
Zudem war ich schon immer ein Mensch, der gerne zu Hause blieb und noch nie viel gereist ist. Es war also alles neu für mich.
Ich kannte diese Frau nicht, die da am Strand in der Sonne saß. Ich fühlte mich fremd und überfordert in mir und in diesem fremden Land.
Für mein Nervensystem bedeutete diese Reise nicht Glück, sondern pure Unsicherheit.
Mitten im Leben meines Traumes stellte ich fest, dass sich alles falsch anfühlte. Nicht, weil der Traum falsch war, sondern weil mein Körper noch nicht bereit war, ihn zu halten.
Ich hatte im Außen alles vorbereitet: Flüge gebucht, Unterkünfte reserviert, eine Route geplant. Doch ich hatte eine Sache vergessen: Meinen Körper.
Ich hatte ihn nicht auf diese Erfahrung vorbereitet und seine Signale vor der Reise übergangen. Und jetzt – tausende Kilometer entfernt – meldete er sich megaphonartig zurück.
Unser Nervensystem kann nur eine bestimmte Menge an Stress und Überforderung halten.Wenn wir seine Signale nicht ernst nehmen, sondern sie übergehen, unterdrücken oder weglogisieren, sucht sich der Körper irgendwann einen anderen Weg. Und dann kommen all die Gefühle hoch – manchmal mitten im Paradies.
Es fehlte nicht an Mut, es fehlte an innerer Sicherheit.
Das Schwierige an solchen Momenten ist, dass von außen alles perfekt aussieht.
Du lebst den Traum.
Du bist mutig gewesen.
Du bist gesprungen.
Du hast es einfach gemacht.
Und trotzdem fühlt es sich innerlich nicht richtig an.
Viele Menschen interpretieren das dann so: „Dann war es wohl doch nicht mein Traum.“
Doch oft stimmt das nicht unbedingt. Manchmal war es nur das falsche Timing. Manchmal war der Traum richtig, nur das Nervensystem war noch nicht so weit. Und manchmal braucht ein Traum nicht nur die Extraportion Mut, sondern vor allem verkörperte Sicherheit. Es braucht nicht nur einen Plan im Kopf, sondern ein System im Körper, das diese neue Erfahrung auch tragen kann.
Vielleicht bedeutet Mut nicht immer, zu springen. Vielleicht bedeutet Mut manchmal auch zu sagen:
Mein Traum ist richtig.
Aber mein Körper braucht noch Zeit.
Ein Traum kann wahr bleiben, auch wenn wir ihm noch nicht sofort folgen können. Und manchmal ist genau das der Moment, in dem wir beginnen, unseren Körper wirklich mitzunehmen. So ist diese Entscheidung, zu warten, der erste Schritt in die Richtung unseres Traumes.
Was mir damals gefehlt hat, war ein Raum, in dem ich meinen inneren Zustand überhaupt wahrnehmen konnte.
Ich hatte den Traum geplant, aber ich hatte mich selbst darin nicht wirklich mitgenommen.
Heute weiß ich, dass Schreiben genau so ein Raum sein kann. Ein Ort, an dem wir langsamer werden und wahrnehmen, was in unserem Körper gerade wirklich passiert. Wo wir merken können, ob wir gerade aus Stabilität heraus handeln oder aus einem Zustand von innerer Aktivierung.
Schreiben kann unser Nervensystem regulieren, weil wir Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen in Worte bringen. Was vorher nur ein diffuses inneres Chaos war, bekommt plötzlich Form.
Und manchmal zeigt sich dabei etwas sehr Wichtiges: Dass ein Traum richtig sein kann und unser Körper trotzdem noch Zeit braucht, um ihn wirklich halten zu können.
In solchen Momenten geht es nicht darum, den Traum aufzugeben, sondern darum, unser Nervensystem Schritt für Schritt mitzunehmen. Denn gelebte Träume brauchen nicht nur Mut. Sie brauchen auch einen Körper, der sich darin sicher fühlen kann. Und genau diese Sicherheit kann erst einmal auf Papier entstehen.
Wir dürfen erkennen, dass nicht Mut das Wichtigste ist, sondern innere Stabilität – damit ein Traum nicht bloß ein Häkchen auf unserer Bucket-List bekommt, sondern als schöne Erfahrung im Körper verewigt wird.
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